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Dynamikbereich von Bildsensoren – erklärt im Vergleich zwischen Nikon Z8, Leica M11 und Leica M11 Monochrom

19 August 2025

Die Fähigkeit eines Kamerasensors, sowohl helle Highlights als auch dunkle Schatten gleichzeitig aufzuzeichnen, wird als Dynamikbereich bezeichnet. Eine Kamera mit grossem Dynamikumfang kann feinste Tonwertunterschiede in einer Szene sichtbar machen, während ein Sensor mit geringem Dynamikbereich helle Partien leicht ausbrennen lässt oder Details in dunklen Partien verliert. Dynamischer Bereich wird meist in EV‑Werten (auch „Stops“) ausgedrückt, wobei ein Stop einer Verdopplung der Lichtmenge entspricht.

Was ist der Dynamikbereich und warum ist er wichtig?

Ein digitaler Bildsensor kann nur einen bestimmten Helligkeitsbereich abbilden. Dynamikbereich beschreibt die Spanne zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle, die der Sensor in einer einzigen Aufnahme ohne Ausfressen oder Absaufen wiedergeben kann. Tamron erläutert in einem 2025 veröffentlichten Artikel, dass der Dynamikbereich entscheidet, ob subtilste Helligkeitsunterschiede sichtbar bleiben, und dass moderne Vollformatsensoren aufgrund ihrer grösseren Pixel mehr Lichtinformationen sammeln können. Ein grösserer Sensor bietet daher tendenziell einen grösseren Dynamikbereich, da mehr Licht aufgenommen wird und das Rauschen in dunklen Bereichen geringer ist.

Der Dynamikbereich hängt aber nicht nur von der Sensorgrösse ab. Er steht in engem Zusammenhang mit der ISO-Einstellung: niedrigere ISO‑Werte liefern in der Regel den grössten Dynamikbereich, während bei hohen ISO‑Werten der Rauschpegel steigt und der Dynamikbereich schrumpft. Zudem können durch Über- oder Unterbelichtung Tonwerte abgeschnitten werden (Highlight‑ bzw. Shadow‑Clipping). Um dies zu vermeiden, sollte beim Fotografieren die Histogramm‑Darstellung kontrolliert und gegebenenfalls korrigierend belichtet werden. Für maximale Flexibilität empfiehlt Tamron, im RAW‑Format aufzunehmen – dieses enthält deutlich mehr Tonwertinformationen als JPEG und erlaubt eine nachträgliche Korrektur von belichteten Bereichen um etwa ±2 EV.

Nikon Z8 👉 Stacked-BSI-Technik mit gutem Dynamikbereich

Die Nikon Z8 nutzt einen 45,7‑Megapixel‑BSI‑CMOS‑Sensor ohne mechanischen Verschluss. Die unabhängige Testplattform DXOMARK bescheinigt der Z8 eine Farbtreue von 26,3 Bit und vor allem einen maximalen Dynamikbereich von 14,2 EV bei ISO 64. Das ist ein sehr hoher Wert für einen Hybrid‑Sensor mit integrierter Phase‑Detection. Laut DXOMARK erreicht die Z8 damit einen Gesamtscore von 98 Punkten und reiht sich in die Spitzengruppe aktueller Vollformatsensoren ein. Der Test stellt zudem fest, dass der Sensor trotz seiner Geschwindigkeit einen guten Low‑Light‑Score von ISO 2548 erzielt.

Leica M11 👉 Back-Side‑Illumination und „Triple Resolution“

Die Leica M11 (Typ 2416) ist eine Messsucher‑Kamera mit 60‑Megapixel‑BSI‑Sensor. DXOMARK attestiert dem Sensor einen Gesamtscore von 100 Punkten und betont die enorme Farbtreue von 26,3 Bit sowie einen Dynamikbereich von 14,8 EV bei ISO 64. Damit liegt die M11 knapp über der Nikon Z8 und gehört zu den besten derzeit getesteten 35‑mm‑Sensoren. Laut DXOMARK ermöglicht der niedrige Basis‑ISO 64, dass „das neue Leica M11 eine nahezu 15‑stufige Dynamik erreicht“.

Ein besonderes Merkmal der M11 ist die „Triple‑Resolution‑Technologie“: Der Fotograf kann im DNG‑Format zwischen 60 MP, 36 MP und 18 MP wählen. Die niedrigeren Auflösungen werden durch Pixel‑Binning erzeugt und bieten laut Leica ein etwas höheres Signal‑Rausch‑Verhältnis und damit einen zusätzlichen Dynamikbereichsvorteil. Unabhängige Messungen (PhotonsToPhotos) zeigen jedoch, dass der praktische Zugewinn nur etwa ein Drittel bis eine halbe Blendenstufe ausmacht – viel wichtiger ist die korrekte Belichtung bei Basis‑ISO.

Leica M11 Monochrom 👉 reines Schwarzweiss mit 15 EV Dynamik

Bei der Leica M11 Monochrom (M11M) wurde der Bayer‑Farbfilter entfernt, sodass jeder Pixel nur noch Helligkeitsinformationen aufzeichnet. Dadurch wird kein Licht durch Farbfilter absorbiert, was die Sensorempfindlichkeit erhöht. Das 60‑MP‑BSI‑Monochrom‑Design führt zu einem noch breiteren Dynamikbereich. Im Praxistest des Red Dot Forum beschreibt David Farkas, dass der M11 Monochrom‑Sensor 15 Stops Dynamik erreicht – der höchste Wert, der je bei einer Monochrom‑M gemessen wurde. Die Kamera liefert 14‑Bit‑Dateien mit 15 EV Dynamikbereich bei Basis‑ISO 125; geringere Auflösungen (36 MP oder 18 MP) bieten laut dem Test sogar einen kleinen zusätzlichen Dynamikumfang.

Damit erreicht die M11M einen etwa eine Blende höheren Dynamikbereich als die farbige M11. Gleichzeitig steigt der Basis‑ISO von 64 auf 125, sodass bei hellem Licht kürzere Verschlusszeiten oder ND‑Filter nötig werden. Der Testbericht erklärt, dass die BSI‑Technik und der Verzicht auf den Farbfilter eine aussergewöhnliche Tonwertdifferenzierung ermöglichen und sogar feine Abstufungen bei ISO 32 000 erhalten bleiben.

Leica M11M Monochrome ISO 50’000 «Lost Places»
📷 ISO und Bildrauschen ist immer ein heisses Thema – was bedeutet „native ISO“ 1 & 2?

Vergleich meiner drei Kameras

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten dynamikrelevanten Kennzahlen der Nikon Z8, Leica M11 und Leica M11 Monochrom zusammen. Werte ohne ±‑Angabe stammen aus DXOMARK‑Tests bzw. aus dem Red‑Dot‑Forum.

KameraSensor & TechnikBasal‑ISO (nativ)Maximale AuflösungDynamikbereich (Labormessung)
Nikon Z845,7 MP stacked BSI-CMOS mit Dual‑Gain, elektronischer Verschluss648256 × 5504 Pixel14,2 EV laut DXOMARK 26,3 Bit Farbtiefe und ISO‑2548 Low‑Light‑Score
Leica M1160 MP BSI-CMOS mit „Triple‑Resolution“ (60/36/18 MP)649520 × 6320 Pixel14,8 EV bei ISO 64 laut DXOMARK, nahezu 15 Stops
Leica M11 Monochrom60 MP BSI-CMOS ohne Bayer-Filter (reines Schwarzweiss), „Triple‑Resolution“1259520 × 6320 Pixel15 EV Dynamikbereich laut Red Dot Forum

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Quelle: photonstophotos

Interpretation des Vergleichs

  • Einordnung der Werte: Der Unterschied von 14,2 zu 14,8 EV entspricht etwa ein Drittel bis halben Blendenstufe. Für viele Motive ist er kaum sichtbar, doch bei extremen Kontrasten (heller Himmel über dunklem Wald) kann die M11 etwas mehr Zeichnung in den Lichtern liefern als die Z8.
  • Monochrome Überlegenheit: Die M11M erreicht durch den fehlenden Farbfilter die 15‑EV‑Marke und schlägt damit sogar viele Mittelformat‑Sensoren. In der Praxis bedeutet dies, dass man in Schwarzweissaufnahmen Schatten stärker aufhellen oder Lichter stärker abdunkeln kann, ohne dass Tonwerte abreissen.
  • Basal‑ISO und Belichtung: Der niedrige Basis‑ISO von 64 bei der Z8 und der M11 ermöglicht bei Tageslicht eine hohe Dynamik. Bei der M11M ist der Basal‑ISO höher (125), was bei sehr hellem Licht kürzere Verschlusszeiten oder ND‑Filter erfordert. Zugleich ist bei allen drei Kameras der Dynamikbereich bei niedrigen ISO‑Werten maximal und sinkt bei hohen ISO‑Werten; der Z8‑Sensor besitzt beispielsweise zwei Verstärkungspunkte, bei denen sich der Dynamikbereich sprunghaft verändert.
  • Praktische Relevanz: Obwohl die Zahlen eine klare Reihenfolge erkennen lassen, hängt die wahrnehmbare Dynamik auch von der Verarbeitung ab. RAW‑Dateien lassen sich im Nachgang deutlich mehr bearbeiten als JPEGs; deshalb ist es ratsam, immer im RAW‑Format zu fotografieren, um den gesamten Dynamikbereich auszuschöpfen.

Tipps für Fotografen: Dynamikbereich optimal nutzen

  1. Niedrige ISO‑Werte wählen: Bleiben Sie möglichst bei der nativen Basis‑ISO (64 bei Z8 und M11, 125 bei M11M), um den grösstmöglichen Dynamikbereich zu erhalten. Erhöhen Sie die ISO nur, wenn die Belichtungszeit zu lang wird.
  2. Histogramm kontrollieren: Überwachen Sie bei schwierigen Lichtsituationen das Histogramm und vermeiden Sie, dass die Kurve an den Rändern „anstösst“. Dies deutet auf Highlight‑ oder Shadow‑Clipping hin.
  3. RAW aufnehmen: Nutzen Sie das RAW‑Format, denn es ermöglicht eine nachträgliche Korrektur um etwa zwei Belichtungsstufen und reduziert Verluste in der Tonwertwiedergabe.
  4. Belichtung nach rechts: Gerade bei den hochauflösenden Sensoren der M11 und M11M lohnt sich eine leichte Überbelichtung (ETTR), um möglichst viele Tonwerte im hellen Bereich zu erfassen. Achten Sie jedoch darauf, nicht so weit zu gehen, dass die Highlights ausbrennen.
  5. Objektivwahl und Filters: Gute Objektive mit hoher Transmission tragen zum effektiven Dynamikbereich bei. Bei der M11M kann ein Gelb‑ oder Orangefilter den Kontrast erhöhen, während ND‑Filter bei Tageslicht helfen, längere Verschlusszeiten zu nutzen, ohne den Dynamikbereich zu beschneiden.
Kamera Histogramm

Fazit

Der Dynamikbereich ist eine entscheidende Eigenschaft moderner Kameras, denn er bestimmt, wie glaubwürdig Licht und Schatten im Bild wirken. Die Nikon Z8 bietet mit ihrem 45,7‑MP‑Sensor und 14,2 EV Dynamik einen hervorragenden Kompromiss aus Geschwindigkeit und Bildqualität. Die Leica M11 legt mit 14,8 EV noch eine halbe Blendenstufe drauf und zeigt, wie viel Potenzial in Back‑Side‑Illumination und niedrigen Basis‑ISO‑Werten steckt. Der Star des Vergleichs ist jedoch die Leica M11 Monochrom, die dank ihres monochromen Sensors und der dualen nativen ISO‑Verstärkung bis zu 15 Blendenstufen Dynamikumfang erreicht. Wer in Schwarzweiss fotografiert und bereit ist, auf Farbe zu verzichten, erhält damit maximalen Spielraum für Tonwertbearbeitung. Insgesamt zeigen alle drei Kameras, dass moderne Sensoren einen Dynamikbereich bieten, der vor wenigen Jahren noch dem Mittelformat vorbehalten war – vorausgesetzt, man nutzt die richtigen Einstellungen.

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